Ende des letzten Jahres stellte ich plötzlich fest, dass der linke Scheinwerfer meiner C4 (Baujahr 1990) beim Einschalten nicht mehr richtig ausgefahren wurde. Der Motor gab zwar sein Bestes aber der Scheinwerfer blieb in halb ausgefahrener Position stecken.

Einige Recherchen ergaben schnell, dass dies ein bekanntes Phänomen sei. Meistens liegt der Fehler in spröden oder vollkommen zerstörten Zahnrädern oder Dämpfungsbolzen die im Scheinwerfermotor verbaut wurden.

Nun gab es zwei Möglichkeiten:

  1. Reparatur in der Werkstatt
  2. Selber „murksen“

Da ein neuer Ersatzmotor (ohne Einbau) im Internet für stattliche Fr. 500 gehandelt wird, entschied ich mich für Variante 2. Dank vieler bebilderter Anleitungen (inkl. YouTube Videos) gestaltete sich das Unterfangen als gar nicht so schwierig.

Über einen Bekannten konnte ich Zahnräder und Dämpfungsbolzen fertigen lassen. Dazu musste der funktionierende Scheinwerfermotor ebenfalls zerlegt werden, damit ein Abdruck des Zahnrades erstellt werden konnte. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann sich die Zahnräder und die Dämpfungsbolzen aus dem Internet bestellen.

Mit Hilfe der Anleitung C4 Rebuilding headlight motors des „Classic Corvette Club UK“ konnte ich die beiden Scheinwerfer ohne grössere Probleme ausbauen und die Motoren zerlegen.

 

Es gab bei meiner Corvette jedoch ein paar Abweichungen zu der oben erwähnten Anleitung, welche nachfolgend dokumentiert sind:

 

Die Verkabelung der Scheinwerfer meiner C4

scheinwerfer001

 

Bei der Demontage musste zusätzlich der Haltewinkel neben dem Scheinwerfermotor entfernt werden:

scheinwerfer002 scheinwerfer003

 

 Mit einem Torx-Winkelschraubendreher lässt sich diese schlecht zugängliche Schraube lösen.

scheinwerfer004

 

Der Spannstift liess sich bei mir zunächst nicht entfernen. So habe ich diesen mit WD40 eingesprüht und über Nacht einwirken lassen. Mit einem genügend grossen Splintentreiber und mutigem Zuschlagen, liess sich der Stift schlussendlich entfernen.

scheinwerfer005

 

Das Zerlegen der Motoren war mit der Anleitung kein Problem. Den Hinweis mit den Bürsten sollte man unbedingt beachten, andernfalls fliegen die Federn unauffindbar davon.

scheinwerfer006

 

Beim Zerlegen des defekten Motors zeigte sich folgendes Bild. Die Dämpfungsbolzen waren zu Granulat mutiert. Das Zahnrad selbst war noch immer in Ordnung.

scheinwerfer007

 

Beim Zusammenbau ist folgendes zu beachten:

  • Alle Bauteile sollten ordentlich gereinigt und gefettet werden. Insbesondere sollten alle Bauteile restlos von allfälligem Granulat befreit werden.
  • Die beiden Dichtungsringe für das Zahnradgehäuse und den Motorendeckel sind in den meisten Fällen spröde und zerbrechen beim Zerlegen des Motors. Der Autor der Anleitung hat an Stelle der Dichtungsringe Silikon aufgetragen. Bei mir führte dies zum Problem, dass nach dem Zusammenbau des Zahnradgehäuses, das Zahnrad fast nicht mehr bewegt werden konnte. Grund dafür war die fehlende Dicke des Dichtungsringes zwischen Zahnradgehäuse und Deckel. Dadurch wurden die Unterlagscheiben zu fest gegen das Zahnrad gedrückt. Da meine Dichtungsringe lediglich an einer Stelle eingerissen waren, setzte ich diese mit etwas Silikon bestrichen wieder ein.
  • Das Einsetzen des Rotors ist wie in der Anleitung beschrieben nicht ganz einfach, da für das Festhalten der Bürsten und das Einsetzen des Rotors mindestens eine Hand fehlt. Der Tipp mit der Zahnseide funktioniert hier wirklich gut.
  • Ebenfalls nicht ganz unproblematisch ist das Aufsetzen des Motorendeckels. Die starken Magnete ziehen die Unterlagscheiben immer wieder von der Welle ab. Hier habe ich mich ebenfalls wieder der Zahnseide bedient. So habe ich ein Stück Zahnseide einmal direkt über den Unterlagscheiben um die Welle gewickelt und die Enden straff mit einer Hand an den Seiten des Motors festgehalten. Anschliessend konnte ich den Deckel aufsetzen und sobald die Welle aus dem Deckel ragte, die Zahnseide problemlos herausziehen.
  • Bevor der Motorendeckel festgeschraubt wird muss kontrolliert werden, dass dieser auch in der richtigen Richtung aufgesetzt wurde. Der Deckel weist auf der unteren Kante einen kurzen Schnabel auf. Dieser muss in Richtung der Kabel zeigen. Sollte der Deckel verkehrt aufgesetzt sein, sind die im Deckel festgeklebten Magnete falsch ausgerichtet (Verpolung von Plus und Minus). Die Verpolung hat zur Folge, dass der Scheinwerfer ausklappt sobald er angeschlossen wird und einklappt, sobald das Licht eingeschaltet wird – ich spreche aus Erfahrung 😉

 Korrekte Ausrichtung des Motorendeckels

scheinwerfer008

 

Fazit

Die Reparatur kann jeder mit einigermassen geschickten Fingern selbst durchführen (und das sagt ein Informatiker). Wenn man sich genügend Zeit nimmt und vorgängig alle benötigten Werkzeuge und Ersatzteile bereit hält, können auch die etwas schwierigeren Schritte problemlos bewältigt werden.

 

Hilfreiche Links

Fixing the headlight motor gear box

1988-1996 headlight motor bushing installation

Make your C4 see well

Die deutschsprachige Corvette-Community

 

 

Corvette C4 – Scheinwerfermotor reparieren
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